Samstag, 24. Januar 2015

Speech and Prize Giving Day 2014 - Stolz auf die ersten Erfolge


Der Speech and Prize Giving Day 2014 schien zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Die im August 2014 von Tag zu Tag ansteigende Zahl der Ebola-Toten in Guinea, Liberia und Sierra Leone und die Unsicherheit, ob es gelingen würde, das Übergreifen der Ebola Epidemie auf Ghana zu verhindern, hatten dazu geführt, dass die Praktikumsgruppe 2014 ihre Reise bedauerlicherweise absagen musste. Seit fünf Jahren waren unsere Aktivitäten zur Verbesserung der Lernsituation in Wurupong durch den Besuch von 6 Flensburger Studentinnen unterstützt worden. Wie würde sich ihre Abwesenheit auf die Durchführung des Speech and Prize Giving Days auswirken?

Das School Management Committee für Wurupong hatte beim Eintreffen der Absage spontan beschlossen, die Durchführung des Speechdays in eigener Regie zu übernehmen und pro Schule eigene Beiträge zu präsentieren.

Am 24.Oktober, einem strahlend sonnigen Tag mit blauem Himmel, klappte die Organisation perfekt. Ab 8 Uhr morgens füllte sich langsam das Wurupong Community Centre mit Schülern, Lehrern und Eltern. Sonnenschutz und Stühle waren rechtzeitig aufgebaut worden und um 9 Uhr nahm der Ehrengast Nana Asiakwa II, Omanhene of Wurupong Traditional Area, auf der Bühne Platz.

von links: Dr. Peter K. Fordjor - Nana Asiakwa II,
Omanhene of Wurupong Traditional Area - Chairman Okyeame Adu

Nach der Begrüßung durch den Chairman (Okyeame Adu) und einer “Welcome Address” von Nana Asiakwa II sprachen der Chairman der Nkonyaman Foundation (Dr. P.K.Fordjor), der Chairman des School Management Committees (Emmanuel B. Amoah) und die District Director of Education, Biakoye District (Odilia Ameh).

Zwischen den Ansprachen präsentierten die Schulen ihre Beiträge: Die Presby Basic School, einen choreographierten Tanz einer Schülerinnengruppe zu “On the River of Babylon”.   Schülerinnen der Roman Catholic Basic School  trugen Gedichte vor.
Schülerinnen der Roman Catholic Basic School beim Vortragen der Gedichte

Die District Authority School hatte sich entschuldigt. Der Headtacher war vor einigen Monaten durch einen tragischen Motoradunfall zusammen mit seinem jüngsten Sohn ums Leben gekommen und bisher nicht ersetzt worden.

An dieser Stelle sollte auch Collins Yeboah und seine Rolle bei der Vermittlung von schul- und erziehungsrelevanten Informationen an Eltern, Schüler und die weitere Gemeinde Wurupong erwähnt werden. Collins Yeboah, Vertreter Wurupongs in der Distriktversammlung des Biakoye Districts, hat 5 Jahre lang unsern Speech and Prize Giving Day als “Master of Ceremonies” und Übersetzer vom Englischen in die Nkonyasprache geleitet. Eine Übersetzung ist notwendig, da man davon ausgehen muss, dass mehr als die Hälfte der Anwesenden Englisch entweder gar nicht oder nur rudimentär versteht. Er hat seine Übersetzeraufgabe bisher in bewundernswertem Masse erfüllt. Statt einer Simultanübersetzung, die die Redezeit verdoppelt, aber wenig an Sinnzuwachs gebracht hätte, gibt er am Ende jeden Beitrags eine kurze Zusammenfassung in Nkonya, die nicht nur alle wichtigen Punkte der englischen Rede enthält, sondern den Inhalt so in Nkonya umsetzt, dass er bei den Zuhören ‘ankommt’. Wir vermuten, dass seine vorzügliche Übersetzung (bzw. Umsetzung) in grösserem Masse zum Erfolg unseres Projekts beigetragen hat, als wir uns bisher klar gemacht haben. 

Die Präsentation der Preise an die klassenbesten Schüler einzelner Fächer (Mathe und Lesen/Schreiben in der Primary School, und 4 Kernfächer in der Junior High School) und Presby JHS an die Lehrer der Schule, die den Best-Teacher-Award ihrer Schule erhielten, entsprach der bisherigen Praxis. 

Ganz neu war dieses Jahr die Vergabe eines Stipendiums für die Senior High School, gebunden an die beste Punktzahl (Aggregat) in der BECE Prüfung, die als landesweite Zentralprüfung am Ende der JHS über den Zugang zu weiterführenden Schulen entscheidet.

Als Schüler mit den besten BECE-Ergebnissen ihrer Schule, erhielten Dennis Abutu (Roman Catholic JHS), Josephina Ampomah (Presbyterian JHS) und Johnpaul Opoku (District Authority JHS) je einen Buchpreis mit Zertifikat. Das Senior-High-School-Stipendium erhielt aufgrund des besten Punktergebnisses Dennis Abutu. 



Ehrung der besten Prüfungskandidaten der beteiligten Schulen
 Auf dem Bild von der Ehrung der besten Prüfungskandidaten der beteiligten Schulen sind zu sehen v.l.n.r.: Collins Yeboah, Dr. Peter K. Fordjor, Ingrid Fordjor, Dennis Abutu, Josephina Ampomah und Johnpaul Opoku.
  
Insgesamt haben die drei Junior High Schools in Wurupong folgendermassen abgeschnitten:
Die Roman Catholic JHS hatte 6 Kandidaten angemeldet, von denen 6 bestanden. Von 21 angemeldeten Examenskandidaten der Presbyterian JHS bestanden 7. Von 14 gemeldeten Kandidaten der District Authority JHS, bestanden 10.

Demnach haben in Wurupong im Jahr 2014 von insgesamt 41 Prüfungskandidaten 23 bestanden, etwas mehr als 50%. Ist das ein gutes Ergebnis? JA, wenn man bedenkt, dass in den Schulen Wurupongs jahrelang kein einziger Kandidat diese Prüfung bestanden hat.
Und worauf ist dieser Erfolg zurückzuführen? In der letzten Sitzung des School Management Committees wurde diese Frage diskutiert. Lehrer berichten von Schülern, die plötzlich Ehrgeiz entwickeln (“Nächstes Jahr bekomme ich auch einen Preis!)” und von hilfreicher Lehrerfortbildung (Capacity Building). Sie verweisen auf den positiven Einfluss von bereitgestelltem Lesematerial für die Schüler (Bücherkisten) und auf die Notwendigkeit, dass Lehrer mehr grundlegende Fachinformationen und didaktisiertes Unterrichtsmaterial erhalten, mit dem sie ihren Unterricht besser vorbereiten können. 

Darf sich demnach das “Schulprojekt Wurupong” diesen Erfolg auf die Fahnen schreiben? Eine “wissenschaftliche Analyse” hat nicht stattgefunden. Trotzdem kann man vielleicht vorläufig sagen, dass unser Bemühen um Motivierung aller Beteiligten einen möglichen richtigen Weg aufzeigt. Und wie geht es weiter? Beibehaltung bisher erfolgreicher Maßnahmen wie

  • Motivierung der Schüler durch Vergabe von Buchpreisen, Stipendien und  Zertifikaten für Schüler beim “Speech and Prize Giving Day”
  • Verbesserung des Unterrichts durch Veranstaltungen zur Lehrerfortbildung (Capacity Building) und Unterstützung individueller Lehrerfortbildung (Aufbau von Lehrerbibliotheken in den Schulen)
  • Kampagne: ”Reading is Fun” (Bücher zur Verfügung stellen, Bücherkisten, Initiierung von Leseclubs, Schülerbibliotheken)
  • Lese-Förderung/ Entwicklung von Lesemotivation ab dem Kindergarten
  • Hilfestellung für Schüler, die in höheren Grundschulklassen noch nicht lesen und schreiben können
  • Hilfestellung für Lehrer bei der Erstellung von Unterrichtsmaterial, besonders zur Förderung des Lese- und Schreiblernprozesses

Wir hoffen, dass wir  zur Unterstützung dieser Massnahmen in Zukunft wieder mit der Mitarbeit der StudentInnen der Universität Flensburg rechnen können.






 .


Dienstag, 23. Dezember 2014

Lehrerfortbildung III



Das ghanaische Erziehungsministerium verfügt über 41 Institutionen der Lehrerausbildung, bzw. Teacher Training Colleges. Die für den Biakoye District, der für Wurupong zuständig ist, nächstgelegenen Teacher Training Colleges sind das Jasikan College of Education sowie die beiden Colleges in Hohoe.

 Seit vier Jahren organisiert die Nkonyaman Foundation gemeinsam mit dem Jasikan College of Education Fortbildungsveranstaltungen in Wurupong für die Lehrer der drei ‘Basic Schools’. Dabei ging es bisher mit unterschiedlichen Schwerpunkten um die Methodik des Lesen und Schreiben Lernens im weitesten Sinne. 

 Die Fortbildungsreihe begann 2011 mit der Frage, wie Leseverstehen (Reading Comprehension) im Unterricht effektiver vermittelt werden könnte, durchgeführt vom Leiter des English-Departments des Jasikan College of Education (Mr Akpelasi Agbemor) und seinem Stellvertreter (Rev. Fr. E. Kosikumah ) (Siehe Blog vom 23.Dezember 2011 /Lehrerfortbildung I )

Da in den folgenden Jahren (2012/13) eine ausgewiesene Spezialistin für Schriftspracherwerb, Alice Petersen-Herrmann- , die Flensburger Studentinnen in Wurupong betreute, rückte der eigentliche Lese-und Schreiblernprozess in den Mittelpunkt . Der Workshop mit den Dozenten aus Jasikan im September 2013  konzentrierte sich daher auf “Methods of Teaching Reading and Writing Acquisition in Class One and Lower Primary”.

Ergänzt wurde dieser Workshop durch eine Veranstaltung von Alice Petersen-Herrmann, die ebenfalls in der Osaase Lodge durchgeführt wurde. (Siehe dazu den Blog vom 7. Juli 2014 - Alice Petersen-Herrmann: meine Arbeit in Wurupong in den Jahren 2012-14)

Diese Kombination von Wiederaufgreifen früherer Inhalte des Lehrerstudiums durch ehemalige Ausbilder - viele der derzeitigen Lehrer in Wurupong wurden in Jasikan ausgebildet - und zusätzlichem Input von Außen durch die Flensburger Spezialistin Alice Herrmann erwies sich als sehr fruchtbar.  

Ein ganz wichtiger zusätzlicher Effekt derartiger Workshops ist auch die Gelegenheit zu persönlichem Austausch über Schulgrenzen hinweg. Ausführliche Gruppenarbeit, meist zu Problemen und Lösungsstrategien, gehört daher zum Programm aller Workshops.

   
Da erfahrungsgemäß die theoretische Darstellung von Unterrichtsmethodik für nachhaltige Änderung des Unterrichts alleine nicht ausreicht, wurde der jeweils eintägige Workshop durch einen Mini-Workshop (15.00 Uhr bis 18.00Uhr) zur  Herstellung geeigneter Unterrichtsmaterialien speziell für Lehrer der ersten Primarschulklasse ergänzt. Zum Üben von Drei- Buchstaben-Wörtern wurden ein Memory und Wörterbüchsen zum eigenständigen Üben hergestellt. Außerdem wurde ein Domino  gebastelt, mit dem Groß- und Kleinbuchstaben geübt werden können.  

Die Materialien sollten selbst erstellt werden. Aber wegen  der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit war die Mithilfe der Flensburger Praktikantinnen nicht nur beim Vorbereiten – z.B. beim Zeichnen und Laminieren der Memorykarten  - sondern auch als integraler Teil der Arbeitsgruppen - sehr wertvoll.

Am Ende des Mini-Workshops erhielt jede Primary School eine Plastikbox für ihre erste Klasse  mit fertigem Memory, Domino sowie Wörterbüchse und eine Grundausstattung für die Produktion weiterer Materialien (farbigen Karton, Papier, Schere, Lineal, Bleistifte, Buntstifte, Klebstoff ). Zufriedene Lehrerinnen, eine Box auf dem Kopf balancierend, verließen bei einbrechender Dunkelheit die Osaase Lodge.
  
Im September 2014 sollte die Fortbildungsreihe gemeinsam mit dem Jasikan College of Education unter dem Titel : “Learning how to read and write. The Transition from Kindergarten to Primary One“ (Osaase Lodge, 16. September 2014) fortgesetzt werden. Leider verhinderte der Ausbruch der Ebola-Epidemie in einigen Nachbarländern Ghanas die Reise der Flensburger Studentinnen. Der Workshop fand daher ohne Anwesenheit der Flensburger Studentinnen statt. Es stehen aber noch die Folgeworkshops zur Materialerstellung aus, die jetzt für Februar 2015 geplant sind.  



Als Teil der Kampagne “Reading is Fun” wird im Februar 2015, wieder in Kooperation mit dem Jasikan College of Education, eine Fortbildung zum Thema “Creating Interest in Reading” stattfinden. Geplant ist ein zweitägiger Workshop. Dem theoretischen Teil am ersten Tag soll am zweiten Tag eine Unterrichtsdemonstration durch die Dozenten aus Jasikan in einer der Schulen Wurupongs stattfinden.

Montag, 7. Juli 2014

Alice Petersen-Herrmann: meine Arbeit in Wurupong in den Jahren 2012-2014

Seit Oktober 2010 bin ich als abgeordnete Lehrkraft an der Universität Flensburg im Seminar für Germanistik innerhalb des Instituts für Sprache, Literatur und Medien tätig.

Alice Petersen-Herrmann bei einem Vortrag
zum Schriftspracherwerb in Wurupong

Da ich auf eine 12-jährige Praxiserfahrung an verschiedenen Grundschulen - insbesondere in den Klassenstufen 1 und 2 - zurückgreifen kann, bildet die Didaktik des Schriftspracherwerbs, also die Vermittlung der Theorien, Konzeptionen und Methoden zum Anfangsunterricht Lesen und Schreiben, den Schwerpunkt meiner Lehre. Aber auch Veranstaltungen zum frühkindlichen Spracherwerb und zur Entstehung von Sprachbewusstheit sowie die Behandlung von Zwei- und Mehrsprachigkeit in Theorie und Praxis in Kursen wie Bilingualismus und Mehrsprachigkeit sind Teil meiner bisherigen Arbeit an der Universität. Daneben werde ich regelmäßig aufgrund meiner schulischen Praxis zur Betreuung Studierender während ihrer Schulpraktika und für deren Nachbereitung herangezogen.
Mein Studium mit dem Ziel „Erstes Staatsexamen für das Grund-und Hauptschullehramt“ absolvierte ich zwischen 1991 und 1996 an der Pädagogischen Hochschule in Flensburg in den Fächern Deutsch, DaF/DaZ und Musik. Von August 1992 bis Mai 1993 nutzte ich das Angebot der PH, als sog. „Assistant Teacher“ nach Buckie/Schottland zu gehen, um dort an der Junior Highschool zu unterrichten. Während meines dortigen Aufenthalts unterrichtete ich zudem Deutsch als Fremdsprache für erwachsene Lerner an einer Abendschule. Im Jahr 1994 nahm ich im Zuge des DaF/DaZ- Studiums an einem 1-monatigen Praktikum in Gdansk/Polen teil, in dessen Verlauf wir u.a. das College für die Deutschlehrerausbildung kennenlernten und dort eine Lehrveranstaltung für die angehenden Deutschlehrer abhielten.
Im September 2012 erhielt ich an der Universität Flensburg zum ersten Mal die Gelegenheit, für vier Wochen eine Gruppe Studierender während ihres Schulpraktikums in Wurupong/Ghana zu begleiten und zu betreuen. 

Die Wurupong-Gruppe 2012 (v.l.): Simone Ließegang, Anna Hilbert, Alice Petersen-Herrmann,
Lisa Ahrendt, Ingrid Fordjor, Marthe Voigt, Hanneke Juhl, Jule Tedsen, Kwadjoe Fordjor


Dieses Praktikum fand in Kooperation mit der „University of Education“ in Winneba statt unter der Federführung der Flensburger Geschichtsprofessorin Frau Dr. Bea Lundt, die sich sehr dafür engagiert, Dozierenden jeder Disziplin der Universität Flensburg die Chance zu eröffnen, an diesem wunderbaren Projekt partizipieren zu können. Vor Ort wurden wir herzlich aufgenommen, betreut und begleitet durch Ingrid und Kwadjoe Fordjor, durch deren Kontakt zu Frau Lundt der Aufenthalt in dem Ort Wurupong erst möglich gemacht wurde und die sich sehr stark für die Schulentwicklung in diesem kleinen Städtchen in der Nähe des Volta-Sees einsetzen.
Da ich im darauffolgenden Jahr 2013 erneut die Betreuung einer Studierendengruppe in Wurupong für weitere 3 Wochen übernehmen 
durfte, konnte in Zusammenarbeit mit den
Die Wurupong-Gruppe 2013 (v.l.): Amelie Wendt, Merle Huß,
Malin Freese, Anna Hollmann, Lisa Kroll, Caren Ullmann,
Alice-Petersen-Herrmann
Dozenten der nahegelegenen Lehrerausbildungsstätte in Jasikan und den Lehrerkolleginnen und –kollegen vor Ort durch die Initiative und Organisation Ingrid und Kwadjoe Fordjors eine konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit ihren Anfang nehmen, welche bereits im Vorjahr in Gesprächen angebahnt wurde. So sollte neben den hauptsächlichen Aktivitäten innerhalb des Schulpraktikums und meinen Hospitationen auch meine Expertise im Bereich des Schriftspracherwerbs vermehrt für den Austausch unter Dozenten und Lehrerkolleginnen und Kollegen eine Rolle spielen.
Durch Ingrid Fordjor organisiert kamen Dozenten der Ausbildungsstätte Jasikan nach Wurupong, um in unserer Lodge vor den Studierenden und Lehrerinnen und Lehrern der drei (resp. sechs) Schulen zum einen über die Problematik der Alphabetisierung in einer Zweit- bzw. Drittsprache zu lehren sowie darüber hinaus mit den KollegInnen an den Schulen über die konkreten Schwierigkeiten vor Ort in einen Austausch zu treten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Diesen Workshop und die Miniworkshops, welche mit den LehrerInnen vor Ort, unseren Studierenden und mir als z.T. leitende Person folgten, sind ein deutliches Indiz für nachhaltige Zusammenarbeit, orientiert an Selbstwirksamkeitsprinzipien und gekennzeichnet durch (interkulturellen) fachlichen Austausch und gegenseitige Wertschätzung .

Alice Petersen-Herrmann zusammen mit Lehrern und Lehrerinnen aus
Wurupong bei dem Workshop, initiiert durch Ingrid und
Dr. Kwadjoe Fordjor, zum Thema Schriftspracherwerb 2013.

Für Sept./Okt. 2014 ist geplant, dass ich ein weiteres und vermutlich letztes Mal mit sechs Studierenden für diesmal 6 Wochen nach Wurupong reisen werde, um das Schulpraktikum – welches in diesem Jahr unter dem Motto „Reading is Fun“ – stattfinden wird, zu begleiten. Die m.E. äußerst sinnvollen und fachlich wie pädagogisch-interkulturell ausgerichteten Hospitationsgespräche, die den Studierenden Anstöße für Ihre weitere Lehrtätigkeit geben sollen, werden natürlich nach wie vor einen Schwerpunkt meiner dortigen Arbeit ausmachen.

Alice Petersen-Herrmann zusammen mit der
Studierenden Simone Ließegang in Wurupong
im Herbst 2012.
In diesem Jahr werde ich zum ersten Mal die Chance haben, am alljährlich durchgeführten „Speech and Prize Giving Day“ oder auch „Presentation Day“ teilzunehmen. Dieser Tag stellt für die Studierenden und die Menschen des Ortes Wurupong einen wichtigen Abschluss der Schulpraktika dar – hier werden im Gemeindezentrum des Städtchens die Projektergebnisse aus den einzelnen Schulen allen Einwohnern präsentiert. Repräsentative Personen wie z.B. der Chief (Häuptling) und dessen Gefolge sowie Vertreter sämtlicher kirchlicher Einrichtungen dürfen an so einem Tag natürlich nicht fehlen. Dieses Event macht noch einmal durch die Akzeptanz seitens der Würdenträger und das immense Interesse und die enorme Anteilnahme durch die Bewohner Wurupongs deutlich, welch großen Stellenwert das Schulpraktikum, das in diesem Jahr sein 5jähriges Jubiläum feiern wird, in dem kleinen Ort einnimmt.
„Reading is fun“ – dieses Motto schließt sich nahtlos an die Aktivitäten der Vorjahre an: Das Schulpraktikum soll nicht nur für die Studierenden durch die Ausweitung ihrer diagnostischen Fähigkeiten (in den Schulen sollen diagnostische Erhebungen im Bereich der (Recht-) Schreibkompetenzen der SuS durchgeführt werden) von Nutzen sein, auch sollen sie innerhalb ihrer Praktika erproben, welche Konzepte, Methoden und Verfahren sich aus der Deutschdidaktik zur Lese- und Schreibförderung im englischen Kontext eignen und welche diesbezüglich aufgrund anderer schriftsprachlicher Gegebenheiten im Englischen überarbeitet bzw. angepasst werden müssen. Dieses ist thematisch bereits in einem Begleitseminar in diesem Sommersemester intensiv in Theorie und Praxis angebahnt worden, so dass die Studierenden für ihre Aufgabe in den Schulen bereits jetzt über wichtiges didaktisches und pädagogisches Rüstzeug verfügen. – Die Konsequenz, die Studierenden gezielt auf die pädagogischen sowie fachdidaktischen Herausforderungen in einem eigens dafür konzipierten Begleitseminar vorzubereiten, ergab sich aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre und ist ein weiteres Zeichen dafür, wie Kontinuität in der Durchführung eines derartigen Projekts zu Weiterentwicklung und Nachhaltigkeit führen kann.
Neben den o.g. Aktivitäten soll in diesem Jahr mind. ein weiterer Workshop mit der Lehrerausbildungsstätte Jasikan folgen, in dessen Anschluss, Studierende und LehrerInnen aus Wurupong Unterrichtsmaterialien erstellen werden und über sinnvolle Methoden für den Anfangsunterricht in den Austausch treten werden. Darüber hinaus werde ich nach der diagnostischen Erhebung in den Primary schools des Ortes, diejenigen Kinder zu einer Lerngruppe aus den einzelnen Schulen zusammenführen, welche noch keine oder nur sehr rudimentäre Strategien zum Schriftspracherwerb entwickelt haben.

Auf diesem Foto: Alice Petersen-Herrmann und Ingrid Fordjor,
Wurupong 2013


In Zusammenarbeit mit Ingrid Fordjor und unter freiwilliger Unterstützung einzelner Studierender werde ich den Versuch unternehmen, bei diesen Schülern und Schülerinnen während meines sechswöchigen Aufenthaltes ein erstes Verständnis von Literalität anzubahnen und ihnen durch gezielte Übungen und Verfahren Strategien zum Erschreiben und Erlesen von Wörtern zu vermitteln.
In weiteren kleinen Workshops bzw. Gesprächsrunden mit den Lehrerinnen und Lehrern vor Ort sollen diese Methoden und Verfahren diskutiert und in Folge auf ihre Wirksamkeit betrachtet werden. So soll das Lernen von- und miteinander auch in diesem Jahr eine entscheidende Rolle spielen und verleiht den Schulpraktika in Wurupong seinen außergewöhnlichen Charakter bezogen auf forschendes Lehren und Lernen im interkulturellen Kontext.
(Alice Petersen-Herrmann , im Juni 2014)


Dienstag, 24. Dezember 2013

Englisch-Unterricht in den Klassen 4 und 6

Wurupong 2013 – D.A. Primary School, Klassen vier und sechs

Praktikantin: Merle Huß
Fach: Englisch


Zur Zeit unseres Praktikums gab es für die sechs Klassen der D.A. Primary School drei Lehrkräfte. Außer mir war noch eine Kommilitonin von mir für diese Schule vorgesehen. Mit den Lehrpersonen und der Schulleitung zusammen planten wir, wie wir unseren Einsatz am effektivsten organisieren könnten. Wir übernahmen gemeinsam zwei der Klassen, die keinen eigenen Lehrer hatten und wechselten uns in diesen mit den Fächern Mathematik und Englisch ab. Da die meisten Kinder mit dem Schuleintritt beginnen, die englische Sprache zu erlernen, kommen für uns nur die höheren Klassenstufen in Frage. Daher wurden uns die Klassen vier und sechs zugeteilt. Wir unterrichteten jede der beiden Klassen täglich mindestens eine Stunde. Hatten wir im Unterricht nicht so viel geschafft wie geplant, konnten wir aber problemlos weitere Minuten oder Stunden dranhängen. Der Schulleiter, die anderen Lehrer und die Schüler waren uns sehr dankbar für jede Minute, die wir mehr unterrichteten.

Klasse vier – The Alphabet Tree

In der 4. Klasse waren 35 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren, die uns sehr aufgeregt und hoch motiviert begegneten. 

Diagnose:


Um den Wissenstand einschätzen zu können, wiederholte ich spielerisch mit ihnen das Alphabet mit den kleinen und großen Buchstaben. Dabei stand vor allem die Zuordnung der kleinen Buchstaben zu ihren „großen Brüdern“ im Mittelpunkt.

Wiederholung des Alphabets, vor allem der Verbindung der Klein- und Großbuchstaben.



Es bewährte sich der Einsatz eines „Alphabet Tree“: Dazu zeichnete ich einen Baum an die Tafel. Die einzelnen Teile des Baumes wurden den Buchstaben zugeordnet. Wir teilten also alle  Buchstaben – abhängig von ihrer Schreibweise – in „tree top letter“ (Baumkrone), „trunk letter“ (Stamm) und „root letter“ (Wurzel) ein. Am Beispiel des Wortes „apple“ bedeutet das, dass das „a“ und „e“ Buchstaben sind, die dem Stamm zugeordnet werden, da sie nur auf der mittleren Schreiblinie geschrieben werden. Das „p“ gilt als Wurzelbuchstabe, da es bis zur untersten Linie reicht. Dementsprechend ist das „l“ bei den Baumkronenbuchstaben einzuordnen – es berührt die oberste Linie. Es zeigte sich bei diesem Verfahren, dass die Schülerinnen und Schüler über sichere Basiskenntnisse des Alphabets verfügten und die einzelnen Buchstaben sicher verschiedenen Bereichen zuordnen konnten.

1.      Reihenplanung:

Aufgrund der Basis dieser Diagnose plante ich meine Unterrichtseinheit für die folgenden vier Wochen: Meine Zielperspektive war vor allem, dass die Schülerinnen und Schüler sich bewusst werden, dass sie aus den einzelnen Buchstaben, die sie bereits beherrschen, sinnhafte Wörter und sogar Sätze bilden können. Sie sollten also lernen, die Buchstaben zu kombinieren und so selbst gewählte Wörter schreiben lernen.
Dazu benutzte ich das Buch „The Alphabet Tree“ von Leo Lionni. Dieses Buch entstand schon im Jahre 1968. Der Autor war lange Zeit in künstlerischen Bereichen tätig bis er 1959 sein erstes Kinderbuch veröffentlichte. Das Buch „The Alphabet Tree“ hat einen Umfang von 32 Seiten und wurde im Dragonfly Books Verlag herausgegeben. Es wird empfohlen für Kinder ab 36 Monate bis sieben Jahre.
Es geht in der Geschichte darum, dass aus einzelnen Buchstaben Wörter und schon aus kurzen Wörtern ganze Sätze entstehen. Das Buch ist daher geeignet, den Umgang mit Buchstaben spielerisch einzuüben, indem die Handlung nachvollzogen wird. Es regt auch dazu an, über den Inhalt des Buches hinaus eigene Wörter zu buchstabieren. Daraus werden dann eigene Sätze konstruiert.

2.      Durchführung der Reihe:

Ich ging nun so vor: zunächst las ich den Schülerinnen und Schülern Seite für Seite der Geschichte vor. Es geht in ihr darum, dass zwei Ameisen auf einem Baum laufen, der von der einen Ameise als „Alphabet Tree“ bezeichnet wird. Da die andere Ameise sich fragt, warum der Baum so genannt wird, erzählt die erste die Geschichte des Baumes. Demnach saß auf jedem Blatt des Baumes ein Buchstabe, bis sie jedoch der Wind durcheinander brachte und fortwehte. Nach dem Sturm bringt ihnen der Wortkäfer bei, wie man Wörter bildet. Denn, wenn man sich zu dritt oder viert zusammentut, kann einen der Wind nicht so leicht davontragen. Eines Tages kommt dann eine seltsame Raupe vorbei, die erstaunt ist über das sinnlose Durcheinander der Wörter und bringt ihnen bei, sich zu sinnvollen Sätzen zusammenzuschließen.
Die Schülerinnen und Schüler sollten die Geschichte nach und nach jeder in ihr eigenes Heft schreiben und den zuvor gehörten und nun geschriebenen Inhalt mit Buntstiften gestalten.
Im Anschluss an die Lektüre des Buches bekamen die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, ihnen bekannte Wörter richtig zu buchstabieren und aus ihnen vollständige, sinnvolle Sätze zu bilden.
Die Anregung des „Alphabet Tree“ setzten wir auch selber praktisch um: Die Schülerinnen und Schüler schrieben die Worte auf die von ihnen selbst aus buntem Papier ausgeschnittenen Blätter.

3.      Ergebnisse:

Am Schluss der Unterrichtsreihe hatte jeder Schüler und jede Schülerin ein eigenes Exemplar der Lektüre im eigenen Heft stehen. Sie können also bei Bedarf darauf zurückgreifen und sogar nachlesen. Damit ist eine nachhaltige Wirkung der Übungsphase gewährleistet.

Für den Präsentationstag im Gemeindezentrum gestalteten wir unsere Präsentationswand mit den von den Kindern bemalten Blättern des „Alphabet Trees“. Jedes der Kinder gestaltete ein Blatt, welches es zunächst aus grünem Papier ausschnitt und anschließend mit einem selbst gewählten Wort beschrieb. Zusätzlich schrieben alle Kinder auch einfache, ganze Sätze auf buntes Papier, die ebenfalls auf die Stellwand geklebt wurden. Eine Schülerin suchte sich zum Beispiel das Wort „car“ ausgesucht und bildete anschließend den Satz „I drive my car.“.

Eine Schülerin beschreibt das von ihr ausgeschnittene
Laubblatt des Alphabet-Trees mit einem selbstgewählten Wort. 
     Fazit:


Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es sehr wichtig ist, den Kindern den Nutzen von Schrift und damit auch der Buchstaben deutlich zu machen. Außerdem müssen sie die Möglichkeit aufgezeigt bekommen, dass sie all das, was sie sagen, mit etwas Übung auch schreiben können. Wichtig ist dabei, dass mit den Grundlagen angefangen wird, damit jeder Schüler und jede Schülerin die Möglichkeit hat, Versäumtes nachzuholen und auch die Lehrperson einen Überblick über den individuellen Kompetenzstand der Schüler und Schülerinnen bekommt und sie nicht über- oder unterfordert. Außerdem sollten die Wörter, die von den einzelnen Schülerinnen und Schülern geschrieben werden sollen, im Plenum gesammelt und an die Tafel geschrieben werden, sodass alle die richtige Schreibweise verinnerlichen können.


Klasse sechs – The Rainbow Fish


In der 6. Klasse waren deutlich mehr Kinder (zeitweilig bis zu 52) im Alter von 10 bis 19 Jahren.
1.      
      Diagnose:

Ich stellte fest, dass  die Schülerinnen und Schüler schon das Alphabet gut beherrschten und auch eigene Wörter und kurze Sätze bilden konnten. Auch diese zu lesen bereitete ihnen keine Schwierigkeiten.

2.      Unterrichtsplanung:

Mein Ziel war, das Buch „The Rainbow Fish“ von Marcus Pfister mit den Schülerinnen und Schülern sinnentnehmend zu lesen. Es handelt sich um ein Kinderbuch  aus dem Jahre 1996, welches mit 12 Seiten im North South Books Verlag erschienen ist und für das Alter von 24 Monaten bis 4 Jahren empfohlen wird. Ich habe mich trotz dieser Altersempfehlung für dieses Buch entschieden, da es mir darum ging, dass der Inhalt gänzlich verstanden wird und auch mündlich nacherzählt werden kann.
Inhaltlich geht es dabei um einen Fisch, der durch einzelne schimmernde Schuppen  aus der Masse hervorsticht und von den anderen darum beneidet wird. Allerdings möchte er keine von ihnen abgeben und wird so zu einem Außenseiter. Auf der Suche nach dem Grund für sein Alleinsein begegnet er anderen Tieren, die ihn dazu umstimmen können, zu teilen. So kann er seine Arroganz überwinden, die anderen Fische fühlen sich nicht mehr von oben herab behandelt und der Regenbogenfisch ist wieder einer von ihnen.
Durch die Lektüre dieses Buches wollte ich erreichen, dass weniger die Sprache eine Herausforderung darstellt, sondern der Fokus vielmehr auf der Wiederholung der dafür nötigen Grammatik liegt und auch der Aufbau eines Buches für die Schülerinnen und Schüler sichtbar gemacht wird. Außerdem sollten die Kinder durch den Inhalt des Buches lernen, dass es wichtig ist, mit anderen zu teilen, damit sich das Glück verdoppeln kann.

3.      Durchführung der Unterrichtsreihe:

    Bevor wir das Buch gemeinsam lasen, machten wir einige grammatische Übungen zu bestimmten Lernwörtern, dem Simple Present und Simple Past. Dabei gewannen die Schülerinnen und Schüler mehr Sicherheit bei der Zuordnung der Zeiten. Das war wichtig für die Geschichte in der Lektüre, in der es ja auch um einen Zustand vor und nach einem Lernerlebnis geht.
Nach und nach lasen wir einzelne Seiten und die Schüler schrieben die kurzen Absätze auf ihre eigenen Arbeitsblätter. Im Laufe der Einheit konnten so alle ihr eigenes Buch herstellen und zu jeder inhaltlichen Seite auch mit Buntstiften eine bildliche Darstellung anfertigen, wobei viele sich zunächst Anregungen bei der visuellen Gestaltung des Originalbuches suchten. Später konnten viele aber auch ihre eigenen Phantasien entwickeln und verbildlichen. Außerdem durfte natürlich das Cover nicht fehlen, was alle sehr hingebungsvoll und individuell gestalteten.

Ein Schüler sucht Inspiration zur Gestaltung seines Bildes im Originaltext.

1    Ergebnisse der Reihe:

In dieser Arbeitsphase von vier Wochen lernten die Schülerinnen und Schüler vor allem, dass es nicht darauf ankommt, möglichst schnell zu lesen. Es soll vielmehr auch der Inhalt des Gelesenen verstanden und nachvollzogen werden. Außerdem konnten sie lernen, dass Bücher auf unterschiedliche Weisen eingesetzt werden können: Sie können vorgelesen werden, man liest sie selbst, man schaut sich die Bilder an und kreiert eine eigene Vorstellung der Geschichte oder man hält an einem Punkt der Geschichte inne und stellt sich vor, was als nächstes passieren könnte.
Zum Präsentationstag gestalteten wir eine Stellwand aus einem Regenbogenfisch, der aus einzelnen von den Schülern ausgeschnittenen Flossen bestand und auch nur durch ihre Vielfalt zu einem Regenbogenfisch wurde. Zum anderen durften sie ihre Lieblingsszene oder -figur mit ihrem Lieblingssatz aus dem Buch auf einen kleinen Papierbogen malen und schreiben.

Ein Schüler malt den Regebogenfisch

Fazit:

Mein Eindruck ist, dass sich das Buch über den Regenbogenfisch durchaus auch in dieser Altersstufe bewährt hat. Durch die Aufgabe, ein eigenes Buch gestalten zu können, war die sprachliche Umsetzung auch in der sechsten Klasse noch angemessen. Inhaltlich ist diese Geschichte sowieso für alle Altersklassen gedacht und kann vielfältig interpretiert und verwendet werden. In diesem Bereich insbesondere, da die Schülerinnen und Schüler bereits aus ihrem Alltag die Aufgabe kennen, z.B. mit ihren Geschwistern teilen zu müssen. Außerdem können sie so lernen, dass Neid auf andere sie nicht weiterbringt.

(Text: Merle Huß)